Am 24. Oktober 2017 gepostet in .

Fälle sexueller Diskriminierung in der Synchronbranche

Im Zuge der Weinstein-Berichterstattung wurden auch in der Synchronbranche Fälle sexueller Diskriminierung bekannt. Der InteressenVerband Synchronschauspieler (IVS) bietet Hilfe für betroffene Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspieler an. Der IVS plant gemeinsam mit seinen Partnern eine verbandsübergreifende Beschwerdestelle von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden.

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Berlin, 24. Oktober 2017 – Dem InteressenVerband Synchronschauspieler (IVS) sind in den vergangenen Wochen verschiedene Fälle sexueller Diskriminierung innerhalb der Synchronbranche bekannt geworden. Hintergrund ist eine durch verschiedene Synchronschauspielerinnen ausgelöste Debatte, die sich im Zuge der Berichterstattung um den Fall „Harvey Weinstein“ ermutigt gefühlt haben, über ihre eigenen Erlebnisse zu sprechen. Der IVS bietet Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspielern, die Opfer von sexuellen Übergriffen wurden, sofortige Hilfe an. Betroffene können sich jederzeit vertrauensvoll und auch anonym an den Verband wenden, über den neben einer psychologischen auch eine rechtliche Unterstützung geleistet oder vermittelt werden kann. Darüber hinaus befindet sich der IVS im intensiven Austausch mit seinen Partnern, wie dem Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS), um ein verbandsübergreifendes Konzept für den Umgang mit derartigen Fällen zu erarbeiten. Aktuell ist die Schaffung einer gemeinsamen Beschwerdestelle von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden im Gespräch. Diese Anlaufstelle soll sich mit der Aufklärung konkreter Beschwerden von Opfern und Betroffenen befassen. Dabei geht es neben sexueller Belästigung und Gewalt auch um Mobbing sowie Diskriminierung am Arbeitsplatz.

„Die Beschwerdestelle soll kein Schnellschuss sein. Wir möchten einen sicheren Weg für Betroffene mit so wenig Hürden wie möglich schaffen“, erklärt IVS-Vorstand Till Völger und ergänzt: „Erste Gespräche mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und mit Synchronproduzenten haben bereits stattgefunden. Auch hierzulande nehmen alle das Thema sehr ernst und wollen es aufarbeiten.“ Bedingt durch die Arbeitsweise der Branche sind Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspieler besonderen Risiken ausgesetzt, denn sie arbeiten oft nur befristet für ein Projekt. Werden sie Opfer übergriffigen Verhaltens, bieten die betrieblichen Strukturen meist keine Anlaufstellen wie Personal- oder Betriebsräte. Ebenso fehlen in kleinen Synchronstudios Gleichstellungsbeauftragte oder eine Personalabteilung. Übergriffiges Verhalten ereignet sich oft schon im Vorfeld eines Engagements, beispielsweise beim Casting oder Vorstellungsgespräch. Der häufige Wechsel von Engagements bringt vor allem Synchronschauspielerinnen oft in Situationen, in denen ein vorgegebenes Machtgefüge und Hierarchiestrukturen einen fruchtbaren Boden für sexuell übergriffiges Verhalten bieten.

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