Am 12. Februar 2015 gepostet in .

Nennung von Synchronschauspielern

Die Frage nach dem Recht des Synchronschauspielers auf namentliche Nennung wurde vom Landgericht Berlin rechtskräftig entschieden. Das Gericht stellte fest, dass die Bestimmung zum Benennungsrecht Teil des Persönlichkeitsrechts der Synchronschauspieler ist und als solcher nicht in AGB abbedungen werden kann. Dem klagenden Synchronschauspieler sprach das Gericht zudem einen Anspruch auf Schadensersatz zu.

Foto: Nejron Photo
Foto: Nejron Photo

Am 4. November 2014 entschied das Landgericht Berlin (Aktenzeichen: 15 O 153/14) zur Frage des Namensnennungsrechts eines Synchronschauspielers. Unser Kollege Roland Hemmo hatte Klage eingereicht, nachdem er anlässlich eines Kinobesuches hatte feststellen müssen, dass sein Name weder im Vor- noch im Abspann des Filmes genannt wurde. Die Allgemeinen Produktionsbedingungen sahen die folgende (branchenweit nicht unübliche) Regelung vor:

„Das Studio, seine Auftraggeber und deren etwaige Partner sind berechtigt, aber nicht verpflichtet, den Vertragspartner im Vor- oder Nachspann sowie in Ankündigungen jeder Art zu nennen.“

Das Gericht stellte – unter Hinweis auf bereits ergangene obergerichtliche Entscheidungen – in dem (nunmehr rechtskräftigen) Urteil fest, dass eine derartige Regelung von dem Grundgedanken der gesetzlichen Regelungen wesentlich abweiche und mithin unwirksam sei:

„Die Bestimmungen zum Urheberbenennungsrecht (§§ 13, 74 UrhG) gehören zum Urheberpersönlichkeitsrecht und gewährleisten die Anerkennung der Urheberschaft des Schöpfers des Werkes in der Öffentlichkeit“

Es handele sich um eine besonders intensive Beeinträchtigung der Rechte des Künstlers, wobei erschwerend zu berücksichtigen sei, dass die Leistung des Synchronschauspielers für die Vermarktung des Films im deutschsprachigen Raum von wesentlicher Bedeutung sei. Zudem sei zu beachten, dass es beim Film der Üblichkeit entspreche, sämtliche Beteiligte in einem ausführlichen Nachspann ausdrücklich namentlich aufzuführen. Aufgrund der Intensität der Rechtsverletzung, die das Gericht als schwerwiegenden und nachhaltigen Eingriff qualifizierte, wurden dem Kollegen Roland Hemmo (dem Synchronschauspieler) einerseits ein Unterlassungsanspruch gegen die beklagte Gesellschaft und andererseits ein Schadensersatzanspruch in Höhe von 100% der ihm zugeflossenen Gage zugesprochen.

Der Tenor des Urteils bezieht sich zwar lediglich auf sog. „öffentliche Vorführungen“ (wobei hierunter vor allem die Kinovorführungen zu fassen sind), die dargestellte Rechtslage lässt sich jedoch auf jede Form der Verwertung übertragen – sei es nun die Vermarktung als DVD, der Verleih der DVDs oder ein Angebot über einen Streaming-Dienst. Ebenso wesentlich und noch nicht geklärt ist allerding die Frage, ob das Recht auf Namensnennung auch den Anspruch umfasst, an entsprechender Stelle genannt zu werden – also vor dem „technischen Personal“ und nicht erst ganz am Ende des Nachspanns, wenn die Musik schon nicht mehr läuft und kaum ein Kinobesucher noch im Saal sitzt. Im Ergebnis handelt es sich um eine Entscheidung von grundsätzlichem Charakter, die erneut auch einen großen Erfolg für das Berufsbild des Synchronschauspielers darstellt. Das Urteil ist in der Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht (ZUM) 3/2015, Seite 264 ff. veröffentlicht.

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